• Dr. Stefan Stöckl

Analyseschwerpunkte der Kennzahlen-Analyse




Im Zentrum jeder Bilanzanalyse stehen Rechnungslegungsdaten und deren Systematisierung in Form von Kennzahlen. Den Ausgangspunkt der Kennzahlenrechnung bilden dabei sowohl quantitative als auch qualitative Daten (Küting/Weber, 2015). Quantitative Daten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Informationen in Form von monetären oder mengenmäßigen Bezugsgrößen abbilden (Küting/Weber, 2015). Da sie einen zahlenmäßigen Charakter aufweisen, können sie auch entsprechend schnell in passende Kennzahlen umgewandelt werden (Küting/Weber, 2015). Wertvolle Informationen finden sich jedoch auch in der Segment- und Lageberichterstattung sowie anderen publizitätspflichtigen oder freiwillig publizierten Informationen. Da sich diese Informationen nicht ohne weiteres in Zahlen abbilden lassen, werden sie in die Kategorie der qualitativen Informationen eingestuft. Diese Daten gilt es dann, durch die Anwendung geeigneter statistischer Verfahren in die Ebene der Zahlen zu überführen.


Grundsätzlich ermöglichen Kennzahlen das Ableiten von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen. Diese Zusammenhänge sind von zentraler Bedeutung, wenn es u.a. um das frühzeitige Erkennen und Abwenden von Unternehmenskrisen geht. Demnach liefern Kennzahlen u.a. wertvolle Informationen bei der Beurteilung der Insolvenzgefährdung von Unternehmen (Coenenberg et al., 2021). Aber auch verhaltensorientierte Studien können wichtige Hinweise liefern, wenn es darum geht festzustellen, welche Daten und Versuchspersonen beispielsweise für eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit herangezogen werden müssen (Coenenberg et al., 2021).


Obgleich viele Schwerpunktsetzungen der Kennzahlenanalyse existieren, erfreuen sich drei Hauptkategorien in der Unternehmenspraxis besonderer Beliebtheit. Die finanzielle Bilanzanalyse umfasst drei Teilbereiche.


Im Rahmen der Investitionsanalyse wird die Vermögensstruktur eines Unternehmens unter die Lupe genommen. Kennzahlen, die für diese Untersuchung in Frage kommen, sind neben dem Verhältnis von Anlage- und Umlaufvermögen, Umsatzrelationen, Umschlagskoeffizienten sowie die Investitions- und Abschreibungspolitik.


Die Finanzierungsanalyse befasst sich mit der Kapitalstruktur des Unternehmens. Als relevante Kennzahlen sind hier der Verschuldungsgrad sowie weitere Kennzahlen zur Kapitalstruktur zu nennen. Die Liquiditätsanalyse versucht einen Zusammenhang zwischen Investitions- und Finanzierungs-verhalten herzustellen. Als Kennzahlen sind hier die Analyse auf Basis von Bestandsgrößen, wie beispielsweise der Fristenkongruenz sowie die Analyse auf Basis von Stromgrößen, wie beispielsweise die Cash-Flow-Analyse, zu nennen.


Eine weitere Variante der Schwerpunktsetzung stellt die erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse dar. Diese lässt sich wiederum in vier Bereiche aufteilen. Im Rahmen der Ergebnisanalyse wird sowohl die betragsmäßige als auch die strukturelle Entwicklung des Unternehmensergebnisses analysiert. Als mögliche Kennzahl ist hier der gegenwärtige und zukünftige Ertrag in absoluten und relativen Größen zu nennen. Weitere Untergruppen sind u.a. die Rentabilitätsanalyse (Eigenkapitalrentabilität, Aktienrentabilität, Marktwert-multiples, Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität, Rentabilitätsanalyse mit Kennzahlensystemen, die Wertschöpfungsanalyse (Wertschöpfungskennzahlen) sowie die Break-Even-Analyse.


Als zentraler Schwerpunkt der Bilanzanalyse gilt vor allem auch die Analyse nach strategischen Gesichtspunkten. Diese lässt sich wiederum in drei Teilanalysen untergliedern.


Hierzu zählen die Ressourcenorientierte Analyse, die marktwertorientierte Analyse (Aktienrentabilität, marktwertorientierte Positionierungs- und Wachs-tumserwartungen) und die zukunftserfolgswertorientierte Analyse (SWOT-Analyse und kennzahlengestützte Analyse des Geschäftsportfolios).


Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Prognosegüte von Kennzahlen stark vom Sachverhalt abhängig ist, den es zu untersuchen gilt (Coenenberg et al., 2021). So weisen beispielsweise Kennzahlen zur Kapitalstruktur, Rentabilität und Liquidität empirisch gesehen die höchste Prognosegüte bei der Aufklärung von Insolvenzfällen auf.



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Quellen:



Coenenberg et al. (2021): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche und internationale Grundlagen-HGB, IAS/IFRS; US-GAAP; DRS, 22. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag.


Küting/Weber (2015): Die Bilanzanalyse, Beurteilung von Jahresabschlüssen nach HGB und IFRS, 11. überarbeitete Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag.

https://medien.ubitweb.de/pdfzentrale/978/379/103/Leseprobe_9783791034133.pdf









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